Wegefinder

100 Bewerbungen, nur Absagen. Liegt es wirklich an deiner Bewerbung?

Tabea Grosser

Frau betrachtet nach vielen Bewerbungen ihre Unterlagen und überdenkt ihre berufliche Richtung

Du hast schon 50, 80 oder vielleicht sogar 100 Bewerbungen geschrieben und bekommst trotzdem eine Absage nach der anderen?

Dann fragst du dich wahrscheinlich irgendwann: Was mache ich eigentlich falsch?

Ich habe im Jobcoaching schon einige Menschen begleitet, die wirklich unglaublich viele Bewerbungen verschickt haben. Und wenn wir uns diese dann gemeinsam angeschaut haben, wurde oft ziemlich schnell deutlich: Es lag nicht unbedingt daran, dass die Person nichts mitgebracht hätte.

Ganz im Gegenteil.

Oft waren da jede Menge Erfahrungen und Fähigkeiten vorhanden. Nur konnte man sie in der Bewerbung kaum erkennen.

Die Verbindung wird schon jemand herstellen. Oder?

Was ich wirklich häufig erlebe: Menschen gehen davon aus, dass ihre Bewerbung sehr genau gelesen wird.

Nach dem Motto:

„Wenn ich doch fünf Jahre in diesem Bereich gearbeitet habe, dann ist doch klar, dass ich auch dies und jenes kann.“

Für dich selbst ist das vielleicht tatsächlich glasklar. Du kennst schließlich deinen beruflichen Weg und weißt, was du in den vergangenen Jahren alles gemacht und gelernt hast.

Aber für jemanden, der deine Bewerbung zum ersten Mal vor sich hat und vielleicht nur wenige Sekunden für einen ersten Eindruck hat, ist das eben nicht unbedingt so.

Und genau da liegt häufig das Problem: Du erwartest, dass jemand anderes die Transferleistung übernimmt.

Die Person soll sich deinen Lebenslauf anschauen, deine bisherigen Tätigkeiten durchgehen und daraus selbst ableiten, welche Fähigkeiten du mitbringst und warum diese für die ausgeschriebene Stelle interessant sein könnten.

Ich würde mich darauf nicht verlassen.

Mach es deinem Gegenüber leicht.

Schlag selbst die Brücke

Viele Bewerbungen, die ich im Coaching sehe, sind sehr allgemein gehalten.

Da steht dann, dass jemand motiviert, zuverlässig und teamfähig ist. Dass Interesse an der ausgeschriebenen Stelle besteht. Und natürlich, dass man sich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen würde.

Kann man alles schreiben.

Aber ich frage dann meistens: Warum sollte genau dieses Unternehmen dich einstellen?

Und plötzlich wird es schwierig.

Denn genau das sollte aus deiner Bewerbung hervorgehen:

Was sucht das Unternehmen und was bringst du dafür mit?

Wenn beispielsweise in der Stellenanzeige eine bestimmte Erfahrung gefragt ist und du genau diese Erfahrung bereits gesammelt hast, dann schreib das hin. Und zwar so, dass die Verbindung sofort erkennbar ist und nicht erst dein gesamter Lebenslauf danach durchsucht werden muss.

Die Brücke zwischen dir und dem Unternehmen solltest du selbst schlagen. Verlass dich nicht darauf, dass jemand anderes diese Verbindung für dich herstellt.

„Warum willst du dort eigentlich arbeiten?“

Auch diese Frage stelle ich im Coaching immer wieder.

Und eine Antwort habe ich tatsächlich schon häufiger gehört:

„Na ja, ich brauche halt einen Job.“

Oder noch direkter:

„Ich muss Geld verdienen.“

Verstehe ich. Natürlich gehen die meisten von uns nicht ausschließlich aus purer Freude arbeiten.

Aber für ein Unternehmen ist das noch lange kein Grund, dich einzustellen.

Deshalb drehe ich die Frage gern einmal um:

Was hat das Unternehmen davon, dich einzustellen?

Was kannst du dort einbringen? Welche deiner Erfahrungen sind interessant? Welche Aufgaben kannst du gut übernehmen? Warum könnte gerade diese Tätigkeit zu dir passen?

Wenn dir dazu überhaupt nichts einfällt, würde ich nicht als Erstes versuchen, dein Anschreiben irgendwie schöner zu formulieren.

Dann würde ich einen Schritt zurückgehen.

Vielleicht bewirbst du dich gerade einfach auf die falschen Jobs

Genau das sehe ich nämlich ebenfalls: Es werden wahnsinnig viele Bewerbungen geschrieben, weil das Gefühl da ist, man müsse sich einfach möglichst viel bewerben.

Also Stellenanzeige öffnen, Bewerbung etwas anpassen, abschicken. Nächste.

Und wenn ich dann frage:

„Willst du diesen Job eigentlich wirklich machen?“

kommt manchmal nur ein Schulterzucken.

Das ist für mich ein Punkt, an dem es sich lohnt, erst einmal aufzuhören, Bewerbung Nummer 101 zu schreiben.

Denn wie willst du einem Unternehmen glaubhaft erklären, warum du dort arbeiten möchtest, wenn du es selbst nicht weißt?

Vielleicht brauchst du dann gar nicht zuerst eine bessere Bewerbung.

Vielleicht brauchst du erst einmal eine bessere Vorstellung davon, welcher Job überhaupt zu dir passt.

Was möchtest du eigentlich machen? Welche Tätigkeiten liegen dir? Was kannst du gut? Welche Erfahrungen möchtest du weiter nutzen? Was möchtest du auf keinen Fall mehr? Und welche Bedingungen muss ein Job erfüllen, damit er auch zu deinem Leben passt?

Wenn diese Dinge klarer werden, wird es meiner Erfahrung nach auch viel einfacher, eine Bewerbung zu schreiben, die nicht wie eine von hundert anderen klingt.

Bevor du also Bewerbung Nummer 101 abschickst …

… schau dir noch einmal an, wofür du dich eigentlich bewirbst und warum.

Und wenn du genau an diesem Punkt festhängst und gerade überhaupt nicht weißt, welche beruflichen Möglichkeiten zu dir passen könnten, dann kann dir der Perspektivenfinder dabei helfen.

Dort geht es nicht darum, dir einfach irgendeinen Beruf vorzuschlagen. Du schaust dir deine bisherigen Erfahrungen, Interessen, Stärken, Werte und auch deine persönlichen Rahmenbedingungen an. Daraus entstehen berufliche Perspektiven, die zu dir und deiner aktuellen Situation passen könnten.

Denn manchmal liegt es tatsächlich an der Bewerbung.

Aber manchmal beginnt das Problem schon einen Schritt vorher: Du weißt selbst noch nicht genau, wo du eigentlich hinwillst.

Und genau das würde ich klären, bevor die nächste Bewerbung rausgeht.

Du weißt, dass sich beruflich etwas verändern soll, aber noch nicht genau, wohin?

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