Wegefinder

Gekündigt worden: Warum du nicht sofort den nächsten ähnlichen Job suchen musst

Tabea Grosser

Mann hält an einer städtischen Weggabelung inne und betrachtet zwei mögliche Richtungen

Du hast deinen Job verloren und möchtest verständlicherweise möglichst schnell wieder arbeiten.

Also öffnest du die erste Stellenbörse und suchst nach genau dem Job, den du vorher gemacht hast.

Gleiche Berufsbezeichnung. Ähnliche Aufgaben. Möglichst ähnliche Branche.

Klingt erst einmal logisch.

Aber vielleicht schränkst du deine Möglichkeiten damit viel stärker ein, als dir bewusst ist.

Arbeitslosigkeit erzeugt Druck

Ich kenne aus meinen Jobcoachings Menschen, die nach einer Kündigung möglichst schnell wieder in Arbeit kommen möchten.

Und dafür gibt es sehr nachvollziehbare Gründe.

Die Miete läuft weiter. Vielleicht müssen Kredite bezahlt werden. Die monatlichen Ausgaben verschwinden schließlich nicht, nur weil gerade kein Job da ist.

Dazu kommt der eigene Anspruch: Ich muss jetzt schnell wieder etwas finden.

Dieser Druck kann durchaus etwas Gutes haben. Er bringt dich ins Handeln. Du suchst nach Stellen, schreibst Bewerbungen und versuchst, die Situation zu verändern.

Gleichzeitig kann genau dieser Druck aber auch dazu führen, dass dein Blick sehr eng wird.

Dann lautet die Frage nämlich nicht mehr:

„Was könnte ich beruflich machen?“

Sondern nur noch:

„Wo finde ich meinen bisherigen Job noch einmal?“

Du bist mehr als deine letzte Berufsbezeichnung

Was mir dabei immer wieder auffällt: Viele Menschen suchen sehr stark nach ihrer bisherigen Berufsbezeichnung.

Dabei sagt eine Berufsbezeichnung längst nicht alles darüber aus, was du tatsächlich kannst.

Vielleicht hast du in deinem bisherigen Job Kundengespräche geführt, Termine organisiert, Probleme gelöst, neue Mitarbeitende eingearbeitet, mit verschiedenen Abteilungen zusammengearbeitet, Projekte koordiniert oder bestimmte Programme genutzt.

Für dich selbst sind viele dieser Dinge wahrscheinlich völlig selbstverständlich.

Du hast sie eben gemacht.

Und genau deshalb ist es manchmal gar nicht so leicht, zu erkennen, was du da eigentlich alles mitbringst.

Ich erlebe im Coaching häufig dieses: „Na ja, das ist doch nichts Besonderes.“

Doch, vielleicht schon.

Zumindest kann genau diese Erfahrung auch in einem anderen Arbeitsfeld gebraucht werden.

Bevor du suchst, schau erst einmal zurück

Deshalb finde ich nach einer Kündigung eine Standortbestimmung hilfreich.

Nicht monatelang. Und auch nicht mit dem Anspruch, jetzt sofort den perfekten neuen Beruf fürs restliche Leben finden zu müssen.

Sondern erst einmal ganz praktisch:

Was habe ich eigentlich bisher alles gemacht?

Welche Aufgaben hatte ich? Welche Erfahrungen habe ich gesammelt? Was kann ich gut? Was davon mache ich gern? Was möchte ich vielleicht sogar weiterhin machen, nur in einem anderen Umfeld?

Und genauso wichtig:

Was möchte ich nicht wiederhaben?

Denn wenn du deinen alten Job einfach nur möglichst schnell durch einen fast identischen neuen ersetzt, nimmst du möglicherweise genau die Dinge mit, die vorher schon nicht gepasst haben.

Vielleicht passt deine Erfahrung auch woanders hin

Genau an diesem Punkt wird es für mich interessant.

Denn berufliche Neuorientierung muss nicht automatisch heißen, alles Bisherige über Bord zu werfen und noch einmal komplett von vorne anzufangen.

Darum geht es gar nicht.

Vielleicht gibt es Tätigkeitsfelder, die ziemlich gut an deine bisherigen Erfahrungen anknüpfen, die du aber bisher überhaupt nicht auf dem Schirm hattest.

Und die findest du möglicherweise nicht, wenn du in der Stellenbörse immer wieder nur dieselbe Berufsbezeichnung eingibst.

Der Blick darf also ruhig etwas weiter werden:

Wo könnte das, was ich kann, noch gebraucht werden?

Das ist eine ganz andere Frage als: Wo gibt es meinen alten Job noch einmal?

Das Schwierige: Wir sehen unsere eigenen Fähigkeiten oft gar nicht

Eine solche Standortbestimmung klingt eigentlich ziemlich einfach.

Setz dich hin und schreib auf, was du kannst.

Nur so einfach ist das manchmal gar nicht.

Gerade die Dinge, die wir jahrelang gemacht haben, kommen uns selbstverständlich vor.

„Das kann doch jeder.“

„Das gehört halt zu meinem Job.“

„Das habe ich eben nebenbei gemacht.“

Dadurch übersehen wir manchmal Erfahrungen und Fähigkeiten, aus denen ganz andere berufliche Möglichkeiten entstehen könnten.

Und dann passiert schnell Folgendes: Du suchst nach dem, was du kennst, findest wenig passende Stellen und bekommst irgendwann das Gefühl:

„Für mich gibt es einfach nichts.“

Vielleicht stimmt das aber gar nicht.

Vielleicht suchst du nur in einem zu kleinen Ausschnitt.

Genau dafür gibt es den Perspektivenfinder

Der Perspektivenfinder setzt genau an dieser Stelle an.

Du erfasst nicht einfach nur deine letzte Berufsbezeichnung. Du schaust genauer hin: Was hast du bisher gemacht? Welche Erfahrungen bringst du mit? Was kannst du? Was interessiert dich? Was ist dir wichtig? Und welche Rahmenbedingungen sollte ein neuer Job erfüllen?

Aus diesen Informationen können berufliche Perspektiven entstehen, die über deine bisherige Berufsbezeichnung oder dein altes Tätigkeitsfeld hinausgehen.

Nicht völlig losgelöst von dem, was du bisher gemacht hast.

Sondern gerade auf dieser Erfahrung aufbauend.

Und das Ganze ist relativ schnell gemacht. Du musst also nicht erst wochenlang überlegen, bevor du wieder aktiv werden kannst.

Vielleicht kommt am Ende tatsächlich heraus, dass ein ähnlicher Job wie bisher gut zu dir passt.

Dann ist das auch eine Erkenntnis.

Vielleicht entdeckst du aber auch eine Richtung, nach der du bisher noch nie gesucht hättest.

Also: Handeln ja, aber nicht mit Scheuklappen

Wenn du gerade arbeitslos bist und finanziellen Druck spürst, werde ich dir sicher nicht sagen: Lass dir erst einmal monatelang Zeit und finde dich selbst.

Das wäre an der Realität vieler Menschen vorbei.

Bewirb dich. Komm ins Handeln.

Aber nimm dir gleichzeitig etwas Zeit, deinen Blick zu weiten.

Denn bevor du die nächsten 20 Bewerbungen auf fast identische Stellen verschickst, kann es sich lohnen, einmal zu schauen, was mit deinen bisherigen Erfahrungen eigentlich noch möglich ist.

Vielleicht musst du gar nicht wieder genau dorthin zurück, wo du herkommst.

Vielleicht kannst du auf dem, was du schon mitbringst, aufbauen und von dort einen neuen Weg einschlagen.

Du weißt, dass sich beruflich etwas verändern soll, aber noch nicht genau, wohin?

Perspektiven entdecken