Wegefinder

Ich kann nicht zurück in meinen alten Job. Aber was soll ich stattdessen machen?

Tabea Grosser

Frau steht in einer offenen Tür und blickt ruhig auf einen möglichen neuen Weg

Du weißt ziemlich genau, was du nicht mehr willst.

Vielleicht kannst du deinen bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Vielleicht haben sich deine familiären Rahmenbedingungen verändert. Vielleicht hat sich dein Arbeitsfeld verändert. Oder du merkst einfach: Das passt nicht mehr zu mir. Ich kann oder will so nicht weitermachen.

Eigentlich ist das schon eine ziemlich wichtige Erkenntnis.

Und trotzdem fühlt sie sich häufig überhaupt nicht gut an.

Denn zu wissen, was nicht mehr geht, beantwortet noch lange nicht die viel schwierigere Frage:

Was mache ich denn stattdessen?

Und genau da entsteht manchmal dieses große schwarze Loch.

Wenn das Alte wegfällt und das Neue noch nicht da ist

Ich kenne diese Situation auch von mir selbst.

Als ich damals nicht mehr als Lehrkraft arbeiten wollte, wusste ich vor allem eines: Ich möchte das nicht mehr.

Was ich stattdessen machen wollte? Keine Ahnung.

Also dachte ich irgendwann: Dann mache ich eben irgendwas im Büro. Irgendwas vermeintlich Leichtes. Und tatsächlich habe ich mich auf eine Bürostelle beworben.

Nicht, weil ich plötzlich meine große Leidenschaft für diese Tätigkeit entdeckt hatte.

Sondern weil mir schlicht die Alternative fehlte.

Rückblickend finde ich das ziemlich spannend. Denn ich erlebe heute im Jobcoaching bei anderen Menschen etwas ganz Ähnliches.

Da heißt es dann:

„Dann packe ich eben irgendwo Sachen ein.“

Oder:

„Ich möchte einfach irgendwas Einfaches machen.“

Oder:

„Eigentlich ist mir egal, was. Hauptsache Arbeit.“

Das kann natürlich eine bewusste Entscheidung sein. Und dann ist daran überhaupt nichts falsch.

Manchmal steckt dahinter aber etwas ganz anderes.

Hauptsache raus aus dieser Unsicherheit

Wenn der bisherige berufliche Weg plötzlich nicht mehr funktioniert, geht ein Stück Sicherheit verloren.

Du weißt, was du bisher gemacht hast. Du kennst deinen Beruf. Du weißt, wie dein Arbeitsalltag funktioniert. Vielleicht hast du darin jahrelange Erfahrung.

Und plötzlich soll das nicht mehr gehen?

Dann fehlt nicht nur der Job. Es fehlt erst einmal die Vorstellung davon, wie es weitergehen könnte.

Und Unsicherheit ist schwer auszuhalten.

Deshalb suchen wir verständlicherweise nach etwas, das sich schnell wieder sicher anfühlt.

Irgendwas im Büro.

Irgendwas Einfaches.

Irgendwas, das ich auf jeden Fall schaffen kann.

Wie ein Strohhalm, an dem man sich erst einmal festhalten kann.

Nur ist dieser Strohhalm nicht automatisch eine gute berufliche Perspektive.

Vielleicht ist er einfach der Versuch, möglichst schnell wieder Kontrolle über eine Situation zu bekommen, die sich gerade überhaupt nicht kontrollierbar anfühlt.

Vielleicht musst du noch gar nicht wissen, was danach kommt

Das finde ich an dieser Phase besonders wichtig:

Nur weil du weißt, dass dein alter Job nicht mehr passt, musst du nicht im selben Moment schon die perfekte Alternative kennen.

Zwischen „Das Alte geht nicht mehr“ und „Jetzt weiß ich, was ich stattdessen mache“ darf etwas liegen.

Und vielleicht ist genau das zunächst die eigentliche Herausforderung: diese Unsicherheit ein Stück weit auszuhalten.

Denn unser Kopf kann in solchen Situationen ziemlich schnell werden.

Was ist, wenn ich nichts finde?

Was ist, wenn das Geld nicht reicht?

Was ist, wenn ich beruflich komplett den Anschluss verliere?

Was ist, wenn mich niemand mehr einstellt?

Was ist, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?

Aus einem fehlenden neuen Job kann im Kopf innerhalb kürzester Zeit ein ziemlich großes Katastrophenszenario werden.

Deshalb finde ich es hilfreich, erst einmal bei Lichte anzuschauen:

Was ist gerade wirklich da?

Was trägt dich gerade?

Wie sieht deine Situation tatsächlich aus?

Was gibt dir im Moment Sicherheit?

Vielleicht bekommst du Arbeitslosengeld. Vielleicht gibt es Ersparnisse oder ein Einkommen in der Familie. Vielleicht hast du Menschen um dich, die dich unterstützen. Vielleicht musst du nicht morgen wissen, was du die nächsten zehn Jahre beruflich machen wirst.

Und vielleicht bedeutet eine Phase ohne Arbeit auch nicht, dass plötzlich alles andere wegbricht.

Deine Freundschaften verschwinden nicht, weil du gerade keinen Job hast.

Deine bisherigen Erfahrungen sind nicht wertlos, nur weil du deinen alten Beruf nicht mehr ausüben möchtest oder kannst.

Und dein bisheriger beruflicher Weg ist nicht plötzlich umsonst gewesen.

Natürlich können finanzielle Sorgen sehr real sein. Und nicht jede Situation lässt sich einfach mit ein bisschen Zuversicht lösen.

Aber es lohnt sich, einmal zu unterscheiden:

Was ist tatsächlich gerade ein Problem und was ist ein Worst Case Szenario, das hauptsächlich in meinem Kopf stattfindet?

Das kann schon etwas verändern.

Von „Was soll ich nur machen?“ zu „Was könnte möglich sein?“

Wenn ein bisschen mehr Ruhe hineinkommt, verändert sich vielleicht auch die Frage.

Nicht mehr:

„Was soll ich denn jetzt bloß machen?“

Sondern:

„Okay. Mein bisheriger Weg passt nicht mehr. Was könnte jetzt möglich sein?“

Für mich ist das ein wichtiger Unterschied.

Denn dann suchst du nicht mehr panisch nach irgendeiner Alternative.

Du fängst an zu erkunden.

Was von deinem bisherigen Berufsleben möchtest du mitnehmen?

Was kannst du gut?

Welche Tätigkeiten haben dir gelegen?

Was möchtest du auf keinen Fall wiederhaben?

Was interessiert dich vielleicht schon lange, obwohl es bisher beruflich keine Rolle gespielt hat?

Und wo könnten deine Erfahrungen und Stärken noch gebraucht werden?

Du musst dabei nicht alles neu erfinden.

Berufliche Neuorientierung bedeutet nicht automatisch, bei null anzufangen.

Vielleicht entsteht etwas Neues gerade aus dem, was längst da ist.

Genau hier kann der Perspektivenfinder helfen

Wenn du an diesem Punkt angekommen bist, das Alte passt nicht mehr, aber das Neue ist noch nicht sichtbar, setzt der Perspektivenfinder genau dort an.

Du schaust dir strukturiert an, was du bisher gemacht hast, welche Erfahrungen du mitbringst, was dich interessiert, welche Stärken du hast, was dir wichtig ist und welche Rahmenbedingungen dein neuer Job erfüllen sollte.

Und daraus werden mögliche berufliche Perspektiven abgeleitet.

Nicht mit dem Anspruch:

Das ist jetzt DER eine Beruf, den du machen musst.

Sondern eher:

Schau mal. Das könnte zu dir passen. Hast du diese Richtung schon einmal betrachtet?

Und genau das kann in einer Situation, die sich vorher wie ein schwarzes Loch angefühlt hat, schon unglaublich hilfreich sein.

Plötzlich gibt es wieder etwas, das du anschauen, prüfen und weiterverfolgen kannst.

Du musst den ganzen Weg noch nicht kennen

Vielleicht ist dein nächster beruflicher Schritt heute noch nicht sichtbar.

Das ist unangenehm. Aber es bedeutet nicht, dass es ihn nicht gibt.

Vielleicht darf die Frage deshalb zunächst kleiner werden.

Nicht:

„Was soll ich jetzt für den Rest meines Berufslebens machen?“

Sondern:

„Welche Möglichkeiten habe ich mit dem, was ich heute schon mitbringe?“

Genau dabei kann dir der Perspektivenfinder helfen.

Denn wenn das Alte nicht mehr passt, muss die Antwort nicht „irgendwas“ sein.

Vielleicht ist genau jetzt die Gelegenheit, herauszufinden, was stattdessen wirklich zu dir passen könnte.

Du weißt, dass sich beruflich etwas verändern soll, aber noch nicht genau, wohin?

Perspektiven entdecken